Wasserkonzert

Gasterntal 098Für eine Bergtour war das Wetter gestern zu schlecht, daher beschlossen wir, uns das Gasterntal näher anzusehen.

An den meisten Tagen rufen die Berge den Wanderer zu sich. Allerdings gibt es auch im Tal Spektakuläres zu sehen. Durch Kandersteg fließt ein reißender Bach, der dem Ort seinen Namen gegeben hat. Das absolut klare Wasser der Kander begeistert den Hobbyfotografen. Denn dadurch schimmert das Wasser ständig in einem hellem blau.

Ich hätte erwartet, dass ein derart reißendes Gewässer viel Schlamm aufwirbelt und daher eher braun gefärbt sein müsste. Aber vermutlich gibt es nicht viel Erde, die noch von den Bergen abtransportiert werden könnte.

Gasterntal 029Besonders spektakulär fließt die Kander durch das Gasterntal. Diese relativ enge Spalte zwischen den Bergen kann ausschließlich im Sommer begangen werden. Im Winter wäre es zu gefährlich wegen der ständigen Gefahr von Lawinenabgängen.

Schon zu Beginn unserer Tour empfing uns ein Regenschauer. Wir mussten einige Minuten im Auto warten, bis wir vom Parkplatz der Sunnbüel-Talstation aus starten konnten. Für diejenigen, die an so etwas glauben, war das kein gutes Omen. Leider auch nicht, für diejenigen, die nicht daran glaubten. 🙁

Als wir die Autotüren öffneten hörten wir schon das Tosen der Wasserfälle, das uns den gesamten Tag nur selten verlassen sollte. Das Wasser bahnt sich hier seinen Weg durch eine sehr enge Schlucht, in der unser GPS fast nie Satellitenempfang hatte.

Das war allerdings auch nicht notwendig. Denn verlaufen kann man sich hier nicht. Das Tal führt nur in eine Richtung. Von allen Seiten tosen immer wieder steile Wasserfälle aus Gletscherwasser von den hohen Bergen. An einigen davon kommen wir an diesen Tag sehr nah vorbei.

Der erste Teil dieser Tour bis zum Hotel Waldhaus führte uns nah am Wasser entlang. Oft war es so laut, dass wir uns allenfalls durch lautes Rufen verständigen konnten. Das Wasser der Kander spielte hier bereits sein Crescendo für uns.

Gasterntal 005Just als wir das Waldhaus passieren wollten, kam auch noch Wasser von oben dazu. Daher flohen wir erst einmal ins Innere und warteten bei einer Tasse Tee das Ende des Schauers ab.

Das Tal weitete sich und der Wolkenhimmel riss zeitweise auf, während wir unseren Weg fortsetzten. Wie überall im Berner Oberland blühen auch hier die Blumen wieder um die Wette. Eine reiche Beute für unsere Kameras.

Gasterntal 164Ohne den Druck, rechtzeitig im Tal sein zu müssen, ließen wir uns viel Zeit mit unseren Fotos. Es schauerte zwar immer wieder, aber ebenso häufig lugte auch die Sonne hervor. Die Berge glühten teilweise förmlich in ihrem Licht und immer wieder umhüllten sie Wolkenschwaden geheimnisvoll.

Gasterntal 090Unwillkürlich kam mir die Assoziation vom Schicksalsberg in Herr der Ringe. Nur wer von uns beiden ist dann Frodo? “Vergiss es! Heute steigen wir auf keinen Berg!”

Von hier kann man interessante Touren zur Gemmi oder zur Balmhornhütte starten. Doch wir blieben im Tal, bis wir am anderen Ende schließlich den Aufstieg zu dem kleinen Weiler Selden hinter uns brachten. Dort wurde es richtig kalt. Denn wir näherten uns dem Kanderfirn, also einem Gletscher.

Es ist bestimmt spannend, sich das aus der Nähe anzusehen. Allerdings nicht bei dieser Tour. Denn das Hotel in Selden war unser geplanter Wendepunkt für schlechtes Wetter. Wir genossen ein leckeres Mittagessen und warteten so auch die schlimmsten Schauer des Tages im Trockenen ab.

Gasterntal 228Wenn es jemals ein gutes Beispiel für JWD = Jans weit draußen gegeben hat, so trifft das auf Selden zu. Der Ort wird nur durch einen kriminell schmalen Fahrweg versorgt. Ein privater Transporter “Autobus” macht mehrmals am Tag die Reise, um Wanderer an den Startpunkt für die Tour über den Lötschenbergpass zu bringen.

Ich fragte die Wirtin, was sie macht, sollte sie einmal ins Kino wollen. Sie wartet auf den Winter, Dann lebt sie mit ihrer Familie wieder in der Zivilisation – bemerkenswert! Im Gegenzug wird sie durch die reichhaltige Natur und ihre Schönheiten belohnt.

Gasterntal 226Der Rückweg führte uns eben an jenem Fahrweg entlang. An der schmalsten Stelle ist er nur als Einbahnstraße zu befahren. Praktisch wie die Schweizer sind, hängt es  von der Uhrzeit ab, ob man ihn vom Berg oder vom Tal befahren darf. Für beiden Seiten stehen zwanzig Minuten plus zehn Minuten für die Durchfahrt zur Verfügung. Allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich meinem Auto das nicht antun möchte. Denn manche Garage ist geräumiger als dieser Weg.

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