Wettlauf gegen die Zeit

Kandersteg 019Nach einem Übernachtungsstopp im verregneten Freiburg, erreichten wir kurz vor Mittag den internationalen Wanderort Kandersteg im Berner Oberland. Das Wetter gab sich noch handzahm. Viele Wolken und ein paar kurze Schauer begleiteten unseren Rundgang durchs Dorf, bis wir gegen Mittag im Bernerhof einchecken konnten.

Das Wetter wusste nicht so recht, was es wollte. Wir aber schon. Allerdings waren wir uns unsicher, wegen seiner Wankelmütigkeit. Sollen wir heute wandern? Ja! Allerdings sollte es nur eine kleine Tour mit viel Weide für`s Auge geben. “Wir gehen zu Fuß zum Oeschinensee hoch und holen dort das Mittagessen nach”, lockte ich Mandy. “Das ist ganz einfach und wir sind ruck zuck oben!”

Davon begeistert, dass sie nicht gleich einen Zweitausender besteigen sollte, stimmte meine Lieblingsfrau ohne Zögern zu. Sie machte mir sogar Druck, als wir unsere Wanderausrüstung anlegten. “Trödel nicht so! Sonst wird es zu spät!”

Ganz unrecht hatte sie damit nicht. Aber das wussten wir eigentlich noch gar nicht.

Als wir gegen 13:30 endlich loskamen, meinte der Hotelchef noch: “Ich finde es gut, dass Sie heute das gute Wetter noch nutzen”.

Das fanden wir auch, denn die Schauer hatten sich inzwischen verzogen und als wir am Berg ankamen, brannte uns die Sonne gleich noch etwas wärmer auf dem Hightech-Fleece.

Kandersteg 026Die Steigung war auch etwas härter, als ich es in Erinnerung hatte. Der Schweiß floss in Strömen. Aber natürlich ließ ich mir vor Mandy nichts anmerken. Sie andererseits hatte wohl nichts dagegen, mir zu zeigen, dass es am ersten Tag ruhig weniger steil hätte sein können. 😮

“Wie lange werden wir wohl bis zum See brauchen?” Diese Frage hatte ich zu Beginn noch mit “so ungefähr eine Stunde” beantwortet. Doch die Zeit zerfloss uns zwischen den Fingern, wie der Schweiß über unsere Gesichter.

Unterwegs trafen wir noch zwei hessische Rentner mit ihrem Enkel. Sie hatten den Berg auch unterschätzt und waren ohne Wasser, Proviant, und machten von ihren Schuhen her eher den Eindruck, als wollten sie Tennis spielen gehen.

Aber der zehnjährige Enkel wollte auf den Berg, so mussten die Alten aus Herzensgüte spuren.

Den beiden gehörte unser ganzes Mitgefühl, insbesondere als sich unsere Wasserflaschen mit beängstigender Geschwindigkeit leerten.

Die Stunden vergingen und wir machten uns langsam Sorgen, ob das mit der Talfahrt von der Bergstation noch hinhauen würde. Allerdings machten wir viele schöne Fotopausen und versuchten so viel von der schönen Aussicht zu genießen, wie es uns möglich war.

Kandersteg 062To cut a very steep story short. Wir erreichten völlig durchgeschwitzt den Oeschinensee. Der Blick war aller Opfer wert. Das dachte ich zumindest, bis ich die Rechnung für unser verspätetes Mittagessen sah. Das Thema Alterssicherung ist wohl wieder völlig offen, wenn wir uns so wenig für unsere Euro leisten können. 😮

Aber wir haben Urlaub und das Essen war lecker. Was soll’s. 🙂

Gerne hätte ich noch mehr Fotos von den vielen wild wachsenden Bergwiesenblumen gemacht. Doch die Zeit schien uns die ganze Zeit im Nacken zu sitzen.

Kandersteg 227Der Rückweg war bedeutend angenehmer. Gegen 17:30 schwebten wir mit der Bergbahn ins Tal zurück. Gerade rechtzeitig, um die Berge durch die Abendsonne illuminiert zu sehen. Dieses Spektakel ging über mehrere Stunden, so dass wir es auch noch beim Abendbrot von unserem Platz im Restaurant beobachten konnten.

Kandersteg 009Kandersteg ist überall von hohen Bergen mit Gletschern umgeben. Die Gletscher selbst waren heute meistens von Wolken verdeckt. Aber das Gletscherwasser fällt in rauschenden Wasserfällen an zahlreichen Stellen gen Tal. Daran konnte ich mich heute Abend kaum satt sehen.

Jetzt braucht mein leicht geschundener Körper etwas Schlaf und morgen werden wir sehen, was das Wetter zulässt.

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